Rouging

Das Phänomen des Rougings, dass nach dem Rouge der Frauen benannt ist, tritt bevorzugt in heissen Reinstwasser- und Reindampfsystemen auf. Es ist dabei davon auszugehen, dass die sehr ionenarmen Wässer eine starke „Saugwirkung” auf Ionen aus der Legierung haben und damit ihre Ionenarmut verringern möchten. Diese Eigenschaft macht letztendlich auch die Aggressivität dieser reinen Wässer aus. Auch Ozonbehandlungen fördern die Bildung von dünnen Rougingbelägen. Aber auch in Vorratsbehältern für CIP-Lösungen (NaOH- oder KOH-Lösungen) werden Verfärbungen in der Passivschicht beobachtet. Wird z. B. in Reindampfsystemen das Rouging dann nicht von Zeit zu Zeit entfernt, so kann daraus auch Blacking entstehen.

Systeme, die vom Rouging betroffen sind, zeigen in der Praxis Verfärbungen, welche von rötlich/braunen über violetten bis zu leicht blauen Farbnuancen reichen können. Diese Verfärbungen sind meist dünne Beläge und können von fest haftend bis leicht abwischbar sein oder sogar kreidende Eigenschaften zeigen.

Pumpen Laufrad  Detail

  Tank vor Reinigung

Da per Definition jede physikochemische Wechselwirkung zwischen einem Metall und seiner Umgebung, die zu einer Veränderung der Eigenschaften des Metalles führt und die zu erheblichen Beeinträchtigungen der Funktion des Metalles, der Umgebung oder des technischen Systems führen kann als „Korrosion” zu bezeichnen ist, darf hier getrost von einer Korrosion des Werkstoffes gesprochen werden.

vor Reinigung  vor Reinigung

Da das Phänomen des Rougings noch nicht abschliessend aufgeklärt ist, wird hier bezüglich der verschiedenen Theorien auf die eigenen Beobachtungen und Erfahrungen und auf die in der Literatur angegebenen Untersuchungsergebnisse hingewiesen!


Die eigenen Beobachtungen zeigen, dass

  • die Rouge Bildung mit steigender Temperatur der Wässer/Lösungen zunimmt
  • Pumpen deutlich stärker betroffen sind als Rohrleitungsstrecken

Laufrad Rouging

  • das Ozon-Behandlungen der Wässer die Rougebildung fördern
  • das bei Installationen mit Mängeln (schlechte Schweissungen, Einsatz von weniger gut legierten Komponenten) Verschleppungen im ganzen System vorkommen können
  • an ein und demselben Bauteil örtlich unterschiedliche Haftbedingungen des Rougebelags auftreten können.
  • bei dickeren Belägen in fast allen Fällen eine Abwischbarkeit mit zunehmender Belagsdicke der Reinigungsaufwand stark ansteigt

Wischprobe  Pumpen gehäuse mit Rouging

  • das Phosphorsäure basierte Lösungen nur ein begrenztes Lösungsvermögen für Rougingbeläge haben
  • das initial gut behandelte/gereinigte Systeme weniger Rougeanfällig sind
  • periodisch behandelte/gereinigte Systeme insgesamt deutlich weniger anfällig auf Neubildung von Rouging-Belägen sind

Die Untersuchungen in der Literatur zeigen unter anderem, dass

  • es sich um verschiedene Eisenoxihydrate handelt, die sich offensichtlich auf der Oberfläche bilden oder auch dort festsetzen
  • es sich um Korrosionsvorgänge handelt, die durch die warmen aggressiven Wässer ausgelöst werden
  • die in den Systemen herrschenden Gaszusammensetzungen einen Einfluss auf die Rougebildung nehmen können. So spielt die Höhe des Restsauerstoffgehaltes und die CO2 Konzentration ein Rolle.
  • die Oberflächenbeschaffenheit Einfluss auf die Rougebildung nimmt. Um so glatter und homogener, desto besser ist das spätere Verhalten
  • speziell bei guter chemischer Vorreinigung oder auch Elektropolitur die Unterschiede in der Anfälligkeit unterschiedlich stark legierter Werkstoffe gegenüber Rouging deutlich kleiner werden.

Es ist durchaus denkbar, dass das ionenarme, aggressive Wasser an sehr kleinen Fehlstellen der Passivschicht Eisen oxidativ abbaut und damit herauslöst und „ausblutet”. Die so freiwerdenden Eisenoxide sind sehr schlecht löslich und können sich dann leicht wieder an anderen Stellen auf der Metalloberfläche anlagern und über die Absorbtion dort zu einer Schwächung der Passivschicht führen. Dies erklärt auch warum gerade Pumpengehäuse und Laufräder besonders stark vom Rouging betroffen sind!

Die Entfernung von Rouging stellt auf Grund seiner Schwerlöslichkeit eine schwierige Aufgabe dar. Mischungen mit P3PO4 können nur beginnende Rougingverfärbungen, wie bereits erwähnt, entfernen. Kräftiges Rouging zu entfernen, ohne dabei die Elektropolitur zu beschädigen, ist dann nur mittels Speziallösungen durchführbar und erfordert eine sehr hohe Fachkompetenz.

Tank vor Reinigung  Tank nach Reinigung